Die Energiebilanz im Haus überzeugt
Ausgezeichnetes Projekt: Passiv-Eigenheim der Gladbacher Firma Blum
braucht im Vergleich zu einem "normalen Bau" nur einen Bruchteil an Strom

Die "Väter" des ausgezeichneten Passivhauses:
Architekt Stefan Schäfer (links)
und sein Chef, Christoph Blum
Foto: Niebergall
Bestens verpackt mit mehr als 50 Zentimeter Dämmung, Sonnenkellek-tor auf dem Dach, ohne Heizung, stattdessen versehen mit einem ausgeklügelten Lüftungssystem: Das ist das Eigenheim von Familie Bruchhof auf dem Asterstein in Koblenz. Das Passivhaus der Firma Holzbau-Blum aus Gladbach erhielt jetzt den Preis "Projekt des Winters 2007/2008" vom Bund für Umwelt und Naturschutz.
Gladbach / Koblenz.
Einen Gesamtenergieverbrauch von 3600 Kilowattstunden pro Jahr hat das Passivhaus von Familie Bruchhof im Koblenzer Stadtteil Asterstein aufzuweisen. Bis zu siebenmal mehr, also etwa 25 000 Kilowattstunden, würde ein konventioneller Neubau verschlucken, mancher Altbau noch einmal das Doppelte, erklären Michael Carl, Sprecher des Arbeitskreises Energie vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), und Architekt Stefan Schäfer von der Christoph Blum Holzbau GmbH aus Gladbach. Eine Zahl, die die BUND-Fachleute überzeugte. Und so wanderte jetzt die Auszeichnung "Projekt des Winters 2007/2008" für vorbildliche Leistungen im Bereich Energie und Klimaschutz auf den Asterstein.
Seit eineinhalb Jahren wohnen hier Georg und Marion Bruchhof mit ihren beiden Söhnen Joel und Benedict. Genug Zeit, um schon Erfahrungen gesammelt zu haben im neuen Passivhaus. Ihr Urteil: "Es ist angenehm temperiert, nie zugig, nie stickig, wir sind rundum zufrieden." Schon lange war es der Traum des Eigentümers – Lehrer an der Berufsbildenden Schule in Lahnstein -, "ein Signal für die Zukunft zu setzten, auch im Hinblick auf unsere Kinder. Wir wollen nur so viel Energie verbrauchen, wie wir selbst produzieren."
Wie wichtig es sei, ressourcenschonend zu bauen, betonte auch der BUND-Bezirksbeauftragte Matthias Boller während der Feierstunde: "Es ist möglich, heute mit deutlich geringerem Energieverbrauch komfortabel zu leben – das ist technischer Fortschritt, der auch finanzierbar ist", sagte Boller.
Mit einem Mehraufwand an Kosten von etwa zehn Prozent pro Quadratmeter Wohnfläche, schätzt Architekt Stefan Schäfer, müsse der Passiv-Häuslebauer zwar zunächst tiefer in die Tasche greifen als bei konventioneller Bauweise. Die Investition in Höhe von 20 000 bis 30 000 Euro bei einem typisch Einfamilienhaus amortisiere sich jedoch "in spätestens 20 bis 30 Jahren", gerechnet mit den gegenwärtigen Energiepreisen: "Wobei ja allerdings erhebliche Preissteigerungen zu erwarten sind."
Dieter Schulz vom Umweltamt der Stadt Koblenz verwies noch einmal auf den Landeszuschuss von 3500 Euro, die günstigen Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die Familienförderung für Asterstein II, die in die Rechnung "Passivhauskontra konventioneller Neubau" einfließen müssen.
2002 entstand mit dem Bebauungsplan Nr. 103 das Projekt Asterstein II. Geplant war ursprünglich, die größte Passivhaussiedlung Europas zu bauen. 120 städtische Grundstücke standen und stehen zum größten Teil auch heute noch für die zukünftigen Energiesparhäuser bereit. Der Verkauf läuft schleppend. "Bis dato sieht man leider erst 16 Passivhäuser, das 17. ist gerade im Bau", sagt Schulz.
Ungewohnte Pfade: Installateur Michael Amstutz erläuterte die innovative Technik rund ums Passivhaus. Um ohne Heizung auszukommen, verfügt das in Holzbauweise errichtete Eigenheim neben bester Dämmung und Sonnenkollektoren fürs Warmwasser über eine Lüftungsanlage. "Nach Norden schließen, nach Süden öffnen", nennt Architekt Schäfer das Prinzip. Geht beim konventionellen Lüften, das hier entfällt, viel Energie verloren, wird die Frischluft im Haus der Familie Bruchhof durch Erdwärme vorgeheizt. Zusätzlich wird die Wärme der Abluft genutzt, also nicht wie üblich "zum Fenster rausgeworfen", sondern sozusagen "recycelt", erläutert Amstutz. Nach Erfahrung von Architekt Schäfer gibt es gerade hinsichtlich der Lüftungsanlagen noch viele Vorurteile bei Kunden. Doch die Luft sei sehr gut in Passiv- und Niedrighäusern, weiß der Experte. Geotherme nutzen dagegen nur wenige Passivhausbauer – dafür sei der Energiebedarf einfach zu gering. Allerdings verfügten 75 Prozent aller im vergangenen Jahr gebauten Häuser der Firma Blum über Wärmepumpen. Insgesamt handelt es sich um ein Energiesparkonzept mit überaus viel Raffinesse, von dem die Koblenzer Familie Bruchhof jedenfalls restlos überzeugt ist. "Unser Traum wäre jetzt noch eine Photovoltaikanlage", verraten sie. "Dann hätten wir ein Haus, das sogar ein Plus an Energie produziert."
Erschienen in der RZ am 23.01.2008




